Ich kenne dieses kleine Serienritual ziemlich gut: Man schaut die letzte Folge einer Staffel, lässt den Abspann noch laufen und denkt sich, dass die nächste Runde eigentlich nicht wieder Jahre auf sich warten lassen dürfte. Bei „Babylon Berlin“ war genau das besonders frustrierend. Die vierte Staffel liegt inzwischen einige Zeit zurück, und zwischenzeitlich war lange unklar, wann Gereon Rath und Charlotte Ritter überhaupt zurückkehren würden.
Inzwischen hat sich das Warten erledigt. Die fünfte Staffel von „Babylon Berlin“ ist am 10. September 2026 gestartet – und sie ist zugleich die letzte Staffel der Serie. Alle acht neuen Folgen wurden zum Start in der ARD Mediathek bereitgestellt. Wer lieber klassisch im Fernsehen schaut, bekommt das Finale im Ersten verteilt auf den 19. und 25. September.
Damit ist aus der früheren Frage „Wann kommt Staffel 5?“ inzwischen eine etwas andere geworden: Was erwartet uns in den letzten acht Folgen, warum hat die Produktion so lange gedauert und weshalb fühlt sich diese Staffel tatsächlich wie ein Abschluss an?
Der Starttermin steht fest – und die Staffel ist bereits verfügbar
Die wichtigste Information zuerst, weil rund um die Serie lange mit vorläufigen Angaben gearbeitet wurde: Seit dem 10. September 2026 sind alle acht Folgen der fünften Staffel in der ARD Mediathek verfügbar. Das Erste zeigt die Staffel anschließend auch im linearen Fernsehen. Am 19. September laufen vier Folgen ab 20:15 Uhr, die restlichen vier folgen am 25. September ab 22:20 Uhr.
Das ist für „Babylon Berlin“ durchaus eine interessante Art, das Ende zu veröffentlichen. Wer keine Lust hat, zwischen den einzelnen Fernsehabenden zu warten, kann die Geschichte bereits komplett sehen. Gleichzeitig bleibt die klassische Ausstrahlung erhalten. Gerade bei einer Serie, die über viele Jahre hinweg ein festes Fernsehpublikum aufgebaut hat, passt dieser zweigleisige Weg ziemlich gut.
Die ARD hatte den Termin bereits vor dem Start konkret angekündigt. Noch im Sommer war von einem Start im Herbst beziehungsweise von einer Veröffentlichung in der zweiten Jahreshälfte die Rede gewesen. Nun gibt es keine Spekulation mehr: Die finale Staffel ist da.
Warum hat Staffel 5 so lange gedauert?
Wer nach der vierten Staffel auf eine schnelle Fortsetzung gehofft hatte, musste einiges an Geduld mitbringen. Die Entscheidung für eine fünfte Staffel wurde erst im Juni 2024 offiziell bekannt gegeben. Damals war zugleich klar, dass es sich um die fünfte und letzte Staffel handeln würde. Die Drehbücher entstanden erneut unter der Verantwortung von Henk Handloegten, Achim von Borries und Tom Tykwer. Als literarische Grundlage diente Volker Kutschers Roman „Märzgefallene“.
Die Produktion einer Serie wie „Babylon Berlin“ lässt sich eben nicht einfach mit einem normalen Serien-Dreh vergleichen. Historische Schauplätze müssen gebaut oder aufwendig verändert werden, Kostüme, Fahrzeuge, Requisiten und Statisten müssen zur jeweiligen Epoche passen. Dazu kommen die großen Außenszenen, für die die Serie seit ihrer ersten Staffel bekannt ist.
Die Dreharbeiten für die neue Staffel begannen im Herbst 2024 und zogen sich über mehrere Drehblöcke. Ende 2025 war schließlich Schluss: Am 2. Dezember wurden die Dreharbeiten offiziell beendet. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings noch keinen festen Ausstrahlungstermin.
Das erklärt auch, warum ältere Meldungen im Netz heute teilweise einen anderen Eindruck vermitteln. Wer nach „Babylon Berlin Staffel 5“ sucht, findet noch zahlreiche Texte, die von einem möglichen Sommerstart oder einem noch offenen Termin sprechen. Diese Informationen stammen aus einer Phase, in der die Produktion noch nicht abgeschlossen beziehungsweise der Sendetermin noch nicht offiziell festgelegt war.
Worum geht es in der letzten Staffel?
Die Handlung springt in eine Zeit, in der sich Berlin innerhalb weniger Wochen grundlegend verändert. Die fünfte Staffel führt Gereon Rath und Charlotte Ritter in den Februar 1933, also in den Zeitraum unmittelbar nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und vor dem Reichstagsbrand.
Das ist kein zufälliger Zeitpunkt für das Ende der Serie. „Babylon Berlin“ hat von Anfang an davon gelebt, dass die private Geschichte seiner Figuren mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der Weimarer Republik verschmilzt. Jetzt erreicht diese Entwicklung den Punkt, an dem sich das Leben in der Stadt innerhalb kürzester Zeit verändert.
Charlotte Ritter ermittelt in einer Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten. Dabei tauchen Verbindungen auf, die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zurückreichen. Besonders brisant wird eine verschwundene Akte, die Informationen über Hitlers Zeit als Soldat enthalten soll. Die Suche danach entwickelt sich zu einem politischen Konflikt, bei dem nicht mehr nur die Frage nach einem Täter oder Motiv im Vordergrund steht.
Gereon Rath gerät ebenfalls in eine Situation, die ihn unmittelbar bedroht. Seine Spur verliert sich, und Charlotte muss damit rechnen, dass sie ihn möglicherweise nicht wiederfindet. Mehr sollte man an dieser Stelle eigentlich gar nicht erzählen. Gerade bei „Babylon Berlin“ funktioniert ein Teil der Spannung darüber, dass einzelne Informationen erst nach und nach ihren Zusammenhang bekommen.
Gereon und Charlotte: Was bedeutet das Finale für die beiden?
Für mich liegt hier der interessanteste Teil der fünften Staffel. Die Serie war nie ausschließlich ein Kriminalfall mit historischem Hintergrund. Gereon und Charlotte haben sich über die Staffeln hinweg verändert, und ihre persönlichen Entscheidungen wurden immer stärker von der Umgebung beeinflusst.
In den frühen Folgen konnte man noch das Gefühl haben, dass die Figuren innerhalb einer chaotischen, aber grundsätzlich offenen Stadt ihren eigenen Weg suchen. Inzwischen ist diese Freiheit deutlich kleiner geworden. Die politische Entwicklung betrifft nicht mehr nur irgendwelche Zeitungsartikel oder Gespräche am Rand einer Szene. Sie bestimmt zunehmend, wem man vertrauen kann, welche Rolle man öffentlich einnehmen darf und wann Schweigen gefährlicher wird als Handeln.
Die fünfte Staffel setzt genau dort an. Charlotte muss sich mit einer Umgebung auseinandersetzen, in der offener Widerstand lebensgefährlich werden kann. Gereon wiederum wird mit den Konsequenzen seiner bisherigen Entscheidungen konfrontiert. Die Macher beschreiben das Finale deshalb auch als eine Geschichte über unterschiedliche Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen: Anpassung, Widerstand, innere Emigration oder Flucht.
Wer ist wieder dabei?
Die beiden zentralen Rollen bleiben natürlich besetzt: Volker Bruch spielt Gereon Rath, Liv Lisa Fries Charlotte Ritter. Dazu kommen zahlreiche bekannte Gesichter aus den vorherigen Staffeln. Unter anderem sind Benno Fürmann, Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Christian Friedel, Udo Samel, Godehard Giese, Fritzi Haberlandt und Karl Markovics wieder dabei.
Interessant finde ich auch die Mischung aus vertrauten Figuren und neuen Darstellern. Clemens Schick, Ulrich Noethen und Devid Striesow gehören zum erweiterten Ensemble der letzten Staffel. Dadurch entsteht nicht der Eindruck, dass lediglich die bekannten Figuren noch einmal für acht Folgen zusammengeführt wurden. Die Serie öffnet ihren Blick noch einmal und bringt neue Personen in eine politische Situation, die bereits viel gefährlicher geworden ist.
Hinter der Kamera bleibt dagegen vieles vertraut. Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer zeichnen erneut für Buch und Regie verantwortlich. Gerade das halte ich für einen wichtigen Punkt, wenn man wissen möchte, wie stark sich die fünfte Staffel vom bisherigen „Babylon Berlin“-Gefühl unterscheidet. Es ist kein Neustart mit einem neuen Kreativteam, sondern tatsächlich der letzte Abschnitt derselben Serie.
Wie viele Folgen hat Staffel 5?
Die finale Staffel besteht aus acht Episoden. Damit bleibt sie kompakter als eine klassische lange Fernsehsaison, ohne dass die Geschichte deshalb nur wie ein kurzer Epilog wirkt. Die ARD bezeichnet die acht Folgen ausdrücklich als finale Staffel.
Zusammen mit den bisherigen Staffeln kommt „Babylon Berlin“ damit auf insgesamt 48 Episoden. Die Produktion erstreckte sich über zehn Jahre und umfasste laut ARD insgesamt 532 Drehtage. Allein diese Zahlen machen deutlich, weshalb das Ende der Serie für die Beteiligten mehr ist als lediglich das Ende einer weiteren Staffel.
Bemerkenswert ist außerdem der Produktionsaufwand. Die ARD spricht von einer der aufwendigsten Serienproduktionen der deutschen Fernsehgeschichte. Mehr als 100 Millionen Abrufe in der ARD Mediathek und Verkäufe in über 140 Länder zeigen, dass sich der Aufwand nicht nur auf den deutschen Markt ausgewirkt hat.
Was passiert nach Staffel 5 mit Babylon Berlin?
Hier lohnt es sich, zwischen der eigentlichen Serie und dem gesamten „Babylon Berlin“-Kosmos zu unterscheiden. Die Geschichte von Gereon Rath und Charlotte Ritter endet mit der fünften Staffel. Eine sechste Staffel ist nicht angekündigt, und die fünfte Staffel wurde ausdrücklich als Finale produziert.
Ganz verschwinden wird die Welt der Serie allerdings nicht sofort. Rund um das Finale hat die ARD zusätzliche Inhalte veröffentlicht. Dazu gehört beispielsweise die Dokumentation „Babylon Berlin – Die Doku“, aber auch ein Adventure Game mit dem Titel „Eine Nacht im Moka Efti – Eine Babylon Berlin-Story“. Außerdem gibt es die Hörspielserie „Haus Vaterland“, die stärker in die Romanwelt von Volker Kutscher führt.
Das finde ich als Begleitung zum Finale durchaus sinnvoll. Gerade bei einer Serie mit so vielen historischen Details bleibt nach der letzten Folge häufig das Bedürfnis, noch ein wenig in dieser Welt zu bleiben. Ein Making-of kann dabei interessanter sein als irgendein weiterer kurzer Rückblick, weil man dort tatsächlich sieht, wie Berlin für die Serie wieder zusammengesetzt wurde.
Warum der Zeitpunkt des Finales so passend gewählt ist
„Babylon Berlin“ begann mit einem Berlin, das sich zwischen Freiheit, wirtschaftlicher Unsicherheit, Vergnügung und politischen Spannungen bewegte. Über vier Staffeln hinweg wurde diese Mischung zunehmend düsterer. Nun landet die Geschichte im Februar 1933 – und damit an einem historischen Wendepunkt, nach dem die Stadt nicht mehr dieselbe sein wird.
Das gibt dem Ende eine besondere Schwere, ohne dass die Serie dafür künstlich dramatisieren muss. Der historische Ausgangspunkt ist bekannt. Gerade deshalb ist die spannende Frage nicht, ob sich die politische Lage verändert, sondern wie Gereon, Charlotte und die anderen Figuren versuchen, darin zu überleben.
Die Macher haben sich damit gegen ein bequemes Serienfinale entschieden. Statt die Figuren aus einer fiktiven Gefahr herauszuführen, endet ihre Geschichte dort, wo die reale Geschichte Deutschlands eine Richtung einschlägt, deren Folgen jeder kennt. Das macht die letzten Episoden zwangsläufig anders als einen gewöhnlichen Krimiabschluss.
Wer jetzt erst einsteigt, sollte nicht direkt mit Staffel 5 anfangen
Technisch kann man die neue Staffel natürlich sofort öffnen. Ich würde es trotzdem nicht empfehlen. Die fünfte Staffel setzt zu stark auf Beziehungen, Konflikte und Entwicklungen, die sich über die vorherigen Folgen aufgebaut haben. Gerade bei Gereon und Charlotte verliert man einiges, wenn man ihre gemeinsame Geschichte nur aus einzelnen Rückblicken zusammensetzt.
Wer länger nicht mehr in der Serie war, muss allerdings nicht gleich jede Einzelheit der ersten vier Staffeln recherchieren. Ein kurzer Rückblick auf die wichtigsten Figuren und die Ereignisse der vierten Staffel reicht als Auffrischung meistens aus. Danach wirkt der Sprung ins Jahr 1933 deutlich stärker, weil man noch im Kopf hat, wo die Figuren vorher standen.
Und dann ist da natürlich die Musik, das Licht, die Ausstattung. Bei „Babylon Berlin“ sind das keine dekorativen Extras. Wenn die alten Wagen durch die Straßen fahren, die Kleidung der Figuren sich verändert und aus einer Nacht im Tanzlokal plötzlich eine politische Bedrohung wird, erzählt die Gestaltung einen Teil der Geschichte mit. Die fünfte Staffel führt diese visuelle Sprache weiter.
Das Ende ist also nicht mehr nur angekündigt – es ist da
Nach all den Verschiebungen, Produktionsmeldungen und vorsichtigen Zeitangaben ist die Situation ungewöhnlich klar: Staffel 5 von „Babylon Berlin“ läuft seit dem 10. September 2026. Alle acht Folgen sind in der ARD Mediathek abrufbar, die Fernsehausstrahlung folgt in zwei Blöcken am 19. und 25. September.
Was mich daran am meisten beschäftigt, ist weniger die Frage, ob das Finale alle Erwartungen erfüllen wird. Bei einer Serie, die zehn Jahre lang mit ihren Figuren gewachsen ist, lässt sich das ohnehin nicht an einer einzelnen Folge messen. Interessanter ist, dass „Babylon Berlin“ seine Geschichte tatsächlich an einem Punkt beendet, an dem auch die historische Vorlage einen tiefen Einschnitt erlebt.
Gereon Rath und Charlotte Ritter bekommen damit keinen endlosen Serienabend geschenkt. Ihre Welt wird enger, gefährlicher und endgültiger. Vielleicht ist genau das der richtige Moment, um Abschied zu nehmen: nicht wenn eine Geschichte bequem auserzählt wirkt, sondern wenn man spürt, dass sich hinter der letzten Folge bereits eine andere Zeit auftut.
Bildnachweis: Magnific (www.magnific.com)
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